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Zu meinen Anfängen

Schon als 3-jähriges Mädchen spielte ich zwischen Leimdosen, Acrylfarben, Pinseln, Plakatwänden und Eddingstiften - sehr zum Leidwesen meiner Tante, einer in den 70er und 80er Jahren hochdotierten Grafikerin und Plakatmalerin in München. Von da an liebte ich den Duft von Farbe, Papier und den Anblick tiefschwarzer Lettern. Ich erlebte das Abenteuer, ein weisses Blatt Papier mit eigenen Händen und eigener Phantasie zum Leben zu erwecken und erahnte das Geheimnis der Typografie und bunter Bilder, wie sie sprechen und Emotionen bei Menschen auslösen können.

Jahre später – mein Berufsweg sollte zu dieser Zeit ein anderer sein und die entsprechende Ausbildung war schon begonnen – besuchte ich eine liebe Freundin an ihrem Arbeitsplatz in einer großen Druckerei. Als ich durch den Hintereingang die Halle betrat, mich zwischen den stampfenden Druckmaschinen wiederfand, stieg mir der Duft aus Kindertagen von Druckfarbe und Leim wieder in die Nase und in diesem Moment wusste icht: Das will ich machen, dort gehöre ich hin!

Die nächsten Wochen bekniete ich den Inhaber der Druckerei, mich als Auszubildende zur Schriftsetzerin anzunehmen. Außerhalb des regulären Ausbildungsbeginns ein schier unmögliches Unterfangen. Aber wie Frauen nun mal sind: Ich wollte diesen Ausbildungsplatz! Jeden Tag stand ich in der Tür zum Chefbüro und jeden Tag bohrte ich nach. Aus heutiger Sicht würde ich mich damals als reichlich penetrant bezeichnen. Meine Noten waren bestens, die persönliche Chemie stimmte ebenfalls und eigentlich wäre alles perfekt gewesen, doch letztendlich entschloss sich der ausbildende Abteilungsleiter gegen jemanden „außer der Reihe“. Als schwachen Trost hatte ich zumindest die feste Zusage aller Entscheider in der Tasche, zum regulären Einstellungstermin einen Lehrvertrag zu bekommen. Bedauerlicherweise gab es auch mit Engelszungen an dieser Entscheidung nichts mehr zu rütteln. Resigniert wollte ich gerade das Gebäude verlassen und lief dabei geradewegs in ein bayrisches gestandenes Mannsbild. Mit einem breiten Grinsen fragte er mich, wie er mir helfen könne. Ich erzählte ihm kurz warum ich hier war und er darauf: „Des hamma gleich'“. Wieder im Chefbüro sagte er zum Inhaber die wohl entscheidensten Worte meiner gesamten beruflichen Laufbahn: „Horst, des fesche Mädl kannst doch net einfach so geh'n lass'n!“. Dem damaligen Prokuristen der Druckerei meinen tiefsten Dank. Danke Herr Brucker!

Am darauffolgenden Montag, dem 1. Februar 1988, begann ich um 6.00 Uhr Morgens mit stolzgeschwellter Brust meine Lehre zur Schriftsetzerin und beendete diese nach 2 1/2 Jahren sehr erfolgreich als gegautschter Jüngling Gutenbergs. Seit damals lebe ich den Grundsatz, dass mit dem nötigen Engagement und einer ordentlichen Portion Glück alles möglich ist.